Neue Perspektive für Standort Sande: Fortführung sichert Arbeitsplätze und hält Hoffnung auf Gießereibetrieb am Leben
Für die Gießerei in Sande gibt es wieder eine Perspektive: Durch einen erfolgreichen Management-Buy-out (MBO) kann ein Teil des Betriebs erhalten und die industrielle Substanz am Standort gesichert werden. Künftig firmiert das Unternehmen unter dem Namen Sande Steel Castings GmbH. Rund 40 der ursprünglich etwa 100 Beschäftigten können weiterbeschäftigt werden.
Im Rahmen des MBO übernimmt das bestehende Management gemeinsam mit weiteren Gesellschaftern die Verantwortung für den Betrieb. Der langjährige Werksleiter Frank Schierhold wird geschäftsführender Gesellschafter. Ziel ist es, den Standort nicht nur zu stabilisieren, sondern schrittweise zu sanieren und perspektivisch wieder als vollwertige Gießerei aufzubauen. Die geplante Strategie sieht vor, erwirtschaftete Überschüsse konsequent in die Weiterentwicklung des Betriebs zu reinvestieren.
Grundlage für den Neustart ist eine von Schierhold initiierte Kooperation, durch die Gussteile von Kunden im Rahmen einer sogenannten Nachproduktion weiterbearbeitet werden können. Damit gelingt es, Beschäftigung zu sichern und gleichzeitig das industrielle Know-how am Standort zu erhalten.
Das sagt die IG Metall:
„Wir hatten keinen Anlass mehr zu hoffen. Umso größer ist unsere Anerkennung für Frank Schierholds immensen Einsatz und für das persönliche unternehmerische Risiko, das er bereit ist zu tragen. Dass hier nicht die schnelle Rendite im Vordergrund steht, sondern die Sanierung und Zukunft der Gießerei, verdient großen Respekt und zeugt von Haltung“, erklärt Robert Witt, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Wilhelmshaven.
„Davon können sich die bisherigen Eigentümer und die ausgeschiedenen Investoren definitiv was abgucken.“
Parallel dazu sollen bereits im Juni erste Gespräche über einen Zukunftstarifvertrag aufgenommen werden. Ziel ist es, tarifliche Standards abzusichern und zugleich eine belastbare Grundlage für die weitere Entwicklung des Unternehmens zu schaffen.
„Das ganze Team freut sich sehr für die Beschäftigten, die übernommen werden können. Diese Entwicklung zeigt, dass der Kampf um den Standort richtig war und sich gelohnt hat. Jetzt gilt es, aus dieser Chance etwas Dauerhaftes zu machen. Wir drücken fest die Daumen, dass der Gießereibetrieb in Sande eines Tages wieder aufgenommen werden kann und dann möglichst viele der bisher nicht übernommenen Kollegen wieder an ihr Handwerk zurückkehren können. Wir werden diesen Weg weiterhin konsequent und solidarisch begleiten“, erklärt Martina Bruse, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Wilhelmshaven und der IG Metall Oldenburg.
Das sagt der neue geschäftsführende Gesellschafter:
„Ich danke meinen Kollegen sehr dafür, dass sie dem Betrieb in dieser extrem schweren Zeit die Treue gehalten haben. Ohne ihre Loyalität, ihren Zuspruch und ihre Bereitschaft, diesen Weg mitzugehen, wäre dieser Neuanfang nicht möglich. Mein Dank gilt auch der IG Metall für die ehrliche und konstruktive Zusammenarbeit. Wir wollen dem Standort wieder eine echte Perspektive geben – und unser großes Ziel ist, dass in Sande irgendwann wieder Stahl gegossen wird“, sagt Frank Schierhold. „Dafür ist noch viel zu tun, aber ich bin guter Dinge.“
Auch aus Sicht der IG Metall ist die Entwicklung ein wichtiges Signal für den Erhalt industrieller Standorte. Trotz des schmerzhaften Arbeitsplatzabbaus bleibt ein relevanter Teil der Belegschaft erhalten, und die Perspektive für die Zukunft des Standorts besteht weiterhin. Hintergrund
Die positive Entwicklung kommt nach einer langen Phase der Resignation: Zwischenzeitlich galt die Sanierung als gescheitert [siehe auch: Schließung von Sande Stahlguss]. In der Folge war zuletzt auch der letzte externe Investor abgesprungen [siehe auch: Kein Happy End bei Sande Stahlguss].
Vor diesem Hintergrund gewinnt der nun erreichte Neustart besondere Bedeutung. Er zeigt, dass selbst in wirtschaftlich schwierigen Situationen Perspektiven entstehen können, wenn Verantwortung übernommen und konsequent an Lösungen gearbeitet wird.