Stahl Schließung von Sande Stahlguss

Schließung von Sande Stahlguss: Kein Investor trotz guter Auftragslage – über 100 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz

Für eine aktive Industrie- und Struktur­po­litik

17. Februar 2026 17. Februar 2026


Die Sanierung von Sande Stahlguss ist endgültig gescheitert. Wie der Insolvenzverwalter den Beschäftigten der traditionsreichen Gießerei an diesem Montag mitgeteilt hat, konnte trotz intensiver Bemühungen kein Investor gefunden werden. Damit steht fest: Der Standort wird geschlossen, über 100 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. IG Metall und Betriebsrat machen deutlich, dass vor allem jahrelang unterlassene Investitionen die wirtschaftliche Substanz des Unternehmens massiv ausgehöhlt und eine Fortführung letztlich verhindert haben.

Strukturelle Versäumnisse zerstören Perspektiven
Sande Stahlguss hatte am 3. September 2025 Insolvenz beantragt. Auslöser waren Liquiditätsengpässe, verursacht durch die zeitintensive Produktion der bis zu 100 Tonnen schweren Stahlgussteile und den entsprechend späten Zahlungsfälligkeiten, sowie die schleppende Zahlungsmoral mancher Kunden. Dennoch war die Auftragslage gut, zuletzt hatten namenhafte Unternehmen ihre Aufträge weiter aufgestockt. Trotzdem konnte kein Investor gefunden werden. Ausschlaggebend war ein über Jahre angehäufter Investitionsstau, der den Betrieb technisch und wirtschaftlich in eine Lage brachte, die selbst bei hoher Nachfrage kaum noch attraktiv war. „Die Kompetenz der Belegschaft ist vorhanden, die Auftragslage ebenfalls“, sagte Robert Witt, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Wilhelmshaven. „Doch wenn Gesellschafter über lange Zeit notwendige Investitionen verweigern, entziehen sie einem Betrieb systematisch die Zukunft. Genau das ist hier geschehen – mit allen jetzt sichtbaren Konsequenzen.“

Unzumutbare Hängepartie durch potenzielle Investoren

Neben den Versäumnissen der früheren Eigentümer kritisieren IG Metall und Betriebsrat das Verhalten potenzieller Investoren. Diese haben monatelang Gesprächsbereitschaft signalisiert, eingehende Prüfungen und Planungen durchgeführt sowie mit Kunden von Sande Stahlguss verhandelt – jedoch ohne am Ende Verantwortung zu übernehmen. Die Folge war eine Hängepartie, die die Geduld der Beschäftigten in untragbarer Weise strapazierte und Existenzängste befeuerte. „Es ist völlig inakzeptabel, wie lange manche Interessenten das Verfahren in der Schwebe hielten“, sagte Marcus Bruns, Betriebsratsvorsitzender der Sande Stahlguss. „Seit dem Insolvenzantrag mussten die Beschäftigten über 5 Monate auf Klarheit warten. Das alles ist eine absolute Zumutung – bei unseren Leuten herrschen völlig zu Recht Wut und Enttäuschung.“

Breite Bemühungen ohne Erfolg 
Die IG Metall hatte die Investorensuche auf allen Ebenen unterstützt, gemeinsam mit politischen Akteuren aus der Region. Dennoch kommt es trotz zahlreicher Gespräche und ernsthafter Bemühungen zu keinem Einstieg. „Es wurde an allen Rädern gedreht, um eine Perspektive für den Standort zu schaffen“, erklärte Witt. „Doch die strukturellen Versäumnisse der vergangenen Jahre ließen sich offensichtlich nicht mehr kompensieren.“

Verlust von Know-how und industrieller Resilienz
Mit dem Aus für Sande Stahlguss verliert Deutschland einen seiner letzten Betriebe für Großstahlguss. Das bedeutet nicht nur den Wegfall industrieller Wertschöpfung, sondern schwächt auch die Fähigkeit Deutschlands und Europas, industrielle Krisen und Störungen abzufedern. “Gerade angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Abschottung ist dieser Verlust kritisch: „Wer industrielle Fähigkeiten aufgibt, begibt sich in neue Abhängigkeiten“, betont Robert Witt. „Das Ende von Sande Stahlguss ist ein Sinnbild dieser Entwicklung.“

Bitteres Ende
Trotz dieser Belastungen blieb der Kern der Belegschaft bis zuletzt loyal, professionell und einsatzbereit. Für IG Metall und Betriebsrat unterstreicht dies die Verbundenheit der Beschäftigten mit der Gießerei – und macht die bevorstehende Schließung umso bitterer. Mit der Ausproduktion noch in der ersten Jahreshälfte endet die knapp 90-jährige Geschichte von Sande Stahlguss – ein schmerzlicher Verlust für die Region und die Industrie insgesamt.